Wie Dino Rex beim Sprechenlernen hilft

Sarah Koch
Sarah KochBerlin

Kennt ihr das auch? Ich stand also da, den Kaffeelöffel noch in der Hand, und starrte meinen zweijährigen Sohn an. Theo sass auf dem Küchenboden, drückte seinen geliebten Dino Rex an sich und sagte völlig klar und deutlich das Wort Abenteuerreise. Nicht Aba, nicht Reise. Abenteuerreise. Ich liess fast meine Tasse fallen.

Woher hatte er das? Aus der Kita? Von seiner grossen Schwester Mila? Mila ist fünf und redet ohne Punkt und Komma, aber dieses spezifische Wort gehört eher nicht zu ihrem täglichen Vokabular. Und dann dämmerte es mir. Es war der Vorabend. Wir sassen zusammen eingekuschelt im Bett und lasen unsere aktuelle Geschichte. Ihr wisst schon, die Geschichte, in der Dino Rex und Hasenmädchen Schnuffel die Hauptrollen spielen. Genau dort kam dieses Wort vor. Dino Rex nahm Theo mit auf eine grosse Abenteuerreise. Und Theo hatte sich das einfach gemerkt.

Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich meine, wir alle wissen, dass Vorlesen wichtig ist. Aber dass ein einzelnes Wort aus einer Geschichte so direkt hängenbleibt, fand ich faszinierend. Spoiler: Es hat funktioniert. Irgendwie. Aber warum ausgerechnet dieses Wort? Ich habe abends, als endlich Ruhe eingekehrt war, ein wenig recherchiert. Studien zeigen, dass Kinder neue Wörter besonders dann gut aufnehmen, wenn sie emotional involviert sind. Und was weckt mehr Emotionen als das eigene, heissgeliebte Kuscheltier, das plötzlich Abenteuer erlebt?

Forschung legt nahe, dass die emotionale Bindung an einen Gegenstand wie ein Kuscheltier als eine Art Brücke funktioniert. Wenn Dino Rex in der Geschichte spricht und neue Dinge entdeckt, ist Theos Aufmerksamkeit auf einem ganz anderen Level. Er hört nicht nur passiv zu. Er erlebt die Reise mit seinem besten Freund. Diese tiefe Verankerung in der eigenen Lebenswelt macht es dem kindlichen Gehirn anscheinend viel leichter, neue Informationen und Wörter abzuspeichern. Es ist nicht mehr nur ein abstraktes Wort in einem Buch. Es ist das Wort seines Dinos. Wenn ihr mehr darüber lesen wollt, wie Kuscheltiere generell wirken, schaut mal in unseren Artikel über die Forschung zur Magie der Kuscheltiere.

In den nächsten Tagen habe ich das Ganze genauer beobachtet. Und tatsächlich passierte Folgendes: Jedes Mal, wenn wir abends die Erlebnisse von Rex und Schnuffel lasen, plapperte Theo am nächsten Tag bestimmte Phrasen nach. Mila machte sich sogar einen Spass daraus, ihm die Worte von Schnuffel beizubringen. Sie sassen im Kinderzimmer und Mila erklärte ihm mit einer Engelsgeduld, was eine Schatzkarte ist. Auch dieses Wort stammte direkt aus unserer letzten Lesestunde. Es war ein herrlicher Moment des Friedens, der mich stark an jenen Abend erinnerte, als die beiden Kuscheltiere schon einmal den Abendfrieden retteten.

Wir Eltern machen uns oft so viele Gedanken um die optimale Förderung. Wir kaufen pädagogisch wertvolles Spielzeug, wir singen Lieder, wir versuchen, jeden Moment lehrreich zu gestalten. Dabei liegt das Geheimnis manchmal in den einfachsten Dingen. In einer guten Geschichte, die genau auf das Kind zugeschnitten ist. Die Kombination aus vertrauten Elementen wie dem eigenen Namen, dem Namen der Schwester und den liebsten Kuscheltieren schafft eine unglaubliche Relevanz für das Kind. Wissenschaftler vermuten, dass diese Relevanz der Schlüssel zur Sprachentwicklung ist. Wenn Informationen für das eigene Überleben oder das eigene Glück als wichtig eingestuft werden, merkt sich das Gehirn diese viel besser. Und für Theo ist das Glück seines Dinos absolut essenziell.

Natürlich ist nicht jeder Abend so harmonisch. Oft genug fliegt Dino Rex auch mal durchs Zimmer, wenn der Frust zu gross ist, weil das falsche TShirt bereitliegt oder die Zahnbürste die falsche Farbe hat. Aber gerade an diesen chaotischen Tagen ist die gemeinsame Zeit am Abend unser Anker. Wenn das Chaos des Alltags hinter uns liegt und wir nur noch Mila, Theo, Schnuffel, Rex und ich sind. Das Vorlesen ist dann keine Pflichtaufgabe mehr, sondern ein gemeinsames Durchatmen. Dass Theo dabei quasi nebenbei seinen Wortschatz erweitert, ist ein wundervoller Bonus.

Was ich euch damit eigentlich sagen will: Macht euch keinen Stress. Ihr müsst keine Sprachkurse für Kleinkinder buchen oder Karteikarten basteln. Lest ihnen vor. Lest ihnen Geschichten vor, in denen sie sich selbst wiederfinden. Geschichten, die ihre kleinen Welten ernst nehmen. Wenn das geliebte Stofftier die Hauptrolle spielt, öffnet das Türen in den Köpfen unserer Kinder, von denen wir oft gar nichts ahnen. Es weckt ihre Neugier, es stärkt ihre Empathie und es gibt ihnen die Worte, um ihre eigene kleine Welt zu beschreiben.

Heute Morgen am Frühstückstisch hat Theo übrigens versucht, Mila sein Brötchen anzubieten, mit den Worten: Reiseproviant. Mila hat gelacht, ich habe gelacht und Theo strahlte über das ganze Gesicht, weil er uns zum Lachen gebracht hatte. Ich bin gespannt, welche Wörter Dino Rex ihm als Nächstes beibringt. Vielleicht ja durchschlafen? Man darf ja wohl noch träumen. Bis dahin geniessen wir einfach jede neue Wortschöpfung und jede gemeinsame Geschichte, die uns durch diesen wunderbaren, anstrengenden, perfekten Alltag trägt.

Aber lassen wir uns nicht täuschen, Sprachentwicklung ist ein Marathon, kein Sprint. Und genau hier kommt die Wiederholung ins Spiel. Studien zeigen, dass Kinder Geschichten immer und immer wieder hören möchten, weil diese Vorhersehbarkeit ihnen Sicherheit gibt. Jedes Mal, wenn Dino Rex dieselbe Höhle betritt oder Hasenmädchen Schnuffel denselben Zauberspruch aufsagt, festigen sich die neuronalen Pfade im Gehirn. Mila konnte mit drei Jahren ganze Passagen aus ihren Lieblingsbüchern auswendig mitsprechen. Bei Theo merke ich nun denselben Effekt, nur eben noch verstärkt durch die persönliche Komponente. Er weiss genau, wann sein Name in der Geschichte fallen wird. Er wartet darauf. Die Spannung baut sich auf, seine Augen werden gross, und wenn das Wort endlich fällt, quietscht er vor Freude. Dieses aktive Zuhören ist ein massiver Katalysator für das Sprachverständnis.

Es ist auch faszinierend zu beobachten, wie Mila als grosse Schwester in diesen Prozess eingebunden wird. Sie übernimmt oft ganz natürlich die Rolle der Erklärerin. Wenn in unserer Geschichte ein komplexeres Wort auftaucht, das Theo vielleicht noch nicht ganz begreift, dreht sie sich zu ihm um und übersetzt es in Kleinkindsprache. Das stärkt nicht nur Theos Wortschatz, sondern auch Milas eigenes Sprachgefühl und ihre soziale Kompetenz. Die beiden erschaffen sich so eine gemeinsame Sprache, eine geheime Welt, in der Dino Rex und Hasenmädchen Schnuffel lebendig sind. Forschung legt nahe, dass solches Rollenspiel und die Interaktion unter Geschwistern enorm förderlich für die kognitive Entwicklung sind. Wir Eltern sind dann oft nur noch die stillen Beobachter, die staunend daneben sitzen.

Manchmal frage ich mich, wie wir früher ohne diese massgeschneiderten Abenteuer ausgekommen sind. Wahrscheinlich haben wir damals einfach im Kopf die Namen der Protagonisten ausgetauscht. Aber die Magie, die entsteht, wenn das Kind sich selbst und seinen besten Kuschelfreund schwarz auf weiss gedruckt sieht oder die vertrauten Namen immer wieder hört, ist durch nichts zu ersetzen. Es vermittelt ihnen die Botschaft: Du bist wichtig. Deine Welt ist wichtig. Und das, was dein Dino fühlt, ist wichtig. Aus dieser tiefen emotionalen Sicherheit heraus wächst der Mut, die Welt zu erkunden. Und das wichtigste Werkzeug für diese Erkundung ist die Sprache.

Kennt ihr das auch, wenn euch am Ende des Tages die Worte fehlen? Wenn der Kopf brummt von all den Terminen, den Diskussionen über Gemüsesorten und dem endlosen Organisieren? Genau dann bin ich unendlich dankbar für diese Geschichten. Sie geben mir die Worte zurück. Sie geben uns einen Rahmen, in dem wir gemeinsam zur Ruhe kommen können. Es ist eine Quality Time, die keine grosse Vorbereitung braucht. Nur uns vier, ein gemütliches Bett und die Abenteuer von Rex und Schnuffel. Dass sich daraus fast wie von Zauberhand Theos Sprachschatz speist, nehme ich gerne als Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Vielleicht ist das der grösste Aha Moment für mich als Mama: Wir müssen nicht ständig belehren, um zu fördern. Wir müssen nur den richtigen Rahmen schaffen, in dem das Lernen von ganz allein passiert. Mit ganz viel Liebe, einer Prise Magie und einem Dinosaurier, der scheinbar ein ausgezeichneter Sprachlehrer ist. Habt ihr auch solche Momente erlebt? Welche Wörter haben eure Kinder plötzlich aus Geschichten übernommen? Ich bin so gespannt auf eure Erfahrungen. Denn am Ende sitzen wir doch alle im selben Boot, trinken kalten Kaffee und staunen über die kleinen Wunder, die direkt vor unseren Augen passieren.

Sarah Koch

Sarah Koch

Berlin

Sarah, 38, Berlin — Mama von Mila (5) und Theo (2). Immer ein Buch in der Hand, immer ein Kaffeefleck auf dem Shirt.

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