Gemütliches Kinderzimmer im Abendlicht mit Plüschbär auf dem Bett

Trotzphase am Abend: Wenn Zähneputzen zum Machtkampf wird (und wie Brummi hilft)

Lena Widmer
Lena WidmerZürich

Es ist 18:30 Uhr. Der Arbeitstag war lang, das Znacht ist gegessen und eigentlich steht nur noch eines zwischen mir und dem wohlverdienten Feierabend auf dem Sofa: das Zähneputzen. Eigentlich eine Sache von wenigen Minuten. Doch in der Trotzphase wird das Badezimmer oft zur Arena.

Also, ich sag’s euch: Wenn ein Dreijähriger beschliesst, dass der Mund heute geschlossen bleibt, dann braucht man gute Nerven. Noah hat in den letzten Wochen eine unglaubliche Ausdauer darin entwickelt, das Zähneputzen zu bestreiken. Tränen, fest zusammengepresste Lippen und Fluchtversuche quer durch die Wohnung standen auf der Tagesordnung.

Wir haben alles versucht. Erklären, bitten, bestechen, schimpfen. Nichts hat wirklich geholfen. Bis wir gemerkt haben, dass wir das Problem von der falschen Seite angehen. Kurz und bündig: Druck erzeugt Gegendruck. Besonders bei Kleinkindern in der Autonomiephase.

Hier sind die pragmatischen Ansätze, die bei uns funktionieren, wenn die Abendroutine zu entgleisen droht.

1. Der 5-Minuten-Vorlauf

Kinder haben kein Zeitgefühl. Wenn sie mitten im Spiel sind und wir plötzlich rufen “Ab ins Bad!”, ist der Konflikt vorprogrammiert. Wir haben gelernt, Übergänge anzukündigen. Eine einfache Sanduhr oder ein Wecker helfen enorm. Wenn es klingelt, ist die Spielzeit vorbei. Das schafft eine Feste Struktur am Abend, die dem Kind Sicherheit gibt. Es ist nicht mehr die Mama, die das Spiel abbricht, sondern die Uhr, die das Signal gibt.

2. Die Illusion der Wahl

“Möchtest du die rote oder die blaue Zahnbürste?” “Soll ich dich ins Bad tragen oder willst du hüpfen wie ein Känguru?” Diese Fragen geben Noah das Gefühl von Kontrolle zurück. Er entscheidet mit. Das reduziert den Widerstand massiv. Anstatt ein “Nein” auf die Anweisung zum Zähneputzen zu kassieren, diskutieren wir plötzlich über Fortbewegungsarten. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.

3. Brummi muss auch putzen

Was bei uns am besten funktioniert: Rollenspiele. Hier kommt Noahs heissgeliebter Plüschbär Brummi ins Spiel. Brummi ist ohnehin immer dabei. Und Brummi ist ein grosser Fan von sauberen Bärenzähnen.

Wenn Noah streikt, drehe ich mich zu Brummi um. “Ach Brummi, schau mal, du hast da noch etwas Honig an den Zähnen. Wollen wir erst deine Zähne putzen?” Noahs Augen werden gross. Plötzlich darf er Brummi die (imaginären) Zähne putzen. Er ist der Bestimmer. Danach ist Brummi dran und “putzt” Noahs Zähne. Der Fokus liegt nicht mehr auf dem Muss, sondern auf dem Spiel. Kuscheltiere sind unglaubliche Helfer, wenn es darum geht, festgefahrene Situationen aufzulösen. Das sehen wir auch oft, wenn Kuscheltiere einen Streit schlichten.

4. Die Geschichte als Belohnung

Das Zähneputzen ist bei uns direkt an die Märchenzauber-Gute-Nacht-Geschichte gekoppelt. Das Prinzip ist simpel: Erst Zähne putzen, dann Geschichte. Wenn es im Bad Drama gibt, erinnere ich Noah ruhig daran, dass Brummi schon ganz ungeduldig auf sein abendliches Abenteuer wartet.

Neulich hat die App eine Geschichte gestaltet, in der Brummi gegen ein kleines Karies-Monster kämpfen musste. Bewaffnet mit einer riesigen, schäumenden Zahnbürste hat er den Mundraum verteidigt. Noah war fasziniert. Am nächsten Abend hat er beim Zähneputzen den Mund sperrweit aufgerissen, damit ich “alle kleinen Monster wegwischen” konnte. Solche Erzählungen sind Gold wert, besonders wenn man ohnehin nach Tipps zum Einschlafen sucht.

Fazit für Working Moms (und Dads)

Der Abend ist für uns alle oft die anstrengendste Zeit des Tages. Die Energiereserven sind aufgebraucht. Wenn wir in diesen Momenten versuchen, unseren Willen mit Druck durchzusetzen, verlieren am Ende alle.

Manchmal reicht es, einen Schritt zurückzutreten, tief durchzuatmen und das Kuscheltier die Führung übernehmen zu lassen. Brummi hat uns schon so manchen Nervenzusammenbruch erspart. Das Bad ist wieder ein friedlicher Ort geworden. Meistens jedenfalls. Und wenn Noah doch mal wieder gewinnt und das Zähneputzen mit Protest begleitet wird? Dann erinnere ich mich daran, dass auch diese Phase vorbeigeht. Irgendwann.

Bis dahin halten Brummi und ich die Stellung. Mit der blauen Zahnbürste und einer grossen Portion Gelassenheit.

Lena Widmer

Lena Widmer

Zürich

Lena, 32, Zürich — Mama von Noah (3). Working Mom, Kaffee-Liebhaberin, Brummi-Bändigerin.

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