Ein gemütlich beleuchtetes Kinderzimmer am Abend. Ein Plüschadler sitzt neben einem aufgeschlagenen Märchenbuch auf dem Bett.

Wie wir den Spagat zwischen lauter Grossfamilie und ruhiger Abendroutine meistern

Drita Berisha
Drita BerishaWinterthur

Kennt ihr das? Man lädt “nur die engste Familie” ein, und plötzlich sitzen zwanzig Leute im Wohnzimmer. Es wird geredet, gelacht, diskutiert und natürlich ununterbrochen gegessen. Bei uns zu Hause in Winterthur ist das ganz normal. Wenn unsere albanische Grossfamilie zusammenkommt, ist es laut, chaotisch und wunderschön. Aber es gibt ein Problem, das wahrscheinlich viele von euch kennen: Wie um Himmels willen bekommt man ein aufgedrehtes vierjähriges Kind wie meinen Aron nach so einem Tag ins Bett?

Heute möchte ich mit euch teilen, wie wir diesen Spagat meistern. Es ist nicht immer einfach, aber wir haben mit der Zeit unsere eigenen kleinen Tricks entwickelt. Und unser treuer Plüschadler Shqiponja spielt dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle.

Das Chaos am Nachmittag

Wenn meine Schwiegermutter und meine Tanten zu Besuch sind, steht die Welt für Aron Kopf. Jeder hat eine Aufmerksamkeit für ihn, jeder möchte mit ihm spielen. Es gibt Süssigkeiten, die ich normalerweise rationiere, und laute Gespräche durcheinander. Aron rennt von einem Raum in den anderen, zeigt stolz seine neuesten Spielsachen und saugt die ganze Energie auf wie ein kleiner Schwamm.

Es ist herrlich zu beobachten. Aber innerlich fange ich schon um 16 Uhr an, die Stunden bis zum Schlafengehen zu zählen. Ich weiss genau, dass all diese aufregenden Eindrücke verarbeitet werden müssen. Früher bedeutete das oft Tränen, Wutanfälle und einen stundenlangen Kampf, bis Aron endlich die Augen zufiel. Wenn ich dann im Internet nach Ratschlägen suchte, fand ich oft nur theoretische Konzepte, die in unserer lebhaften Realität einfach nicht funktionierten.

Doch dann haben wir angefangen, unsere Abendroutine radikal zu ändern. Nicht gegen die Grossfamilie, sondern mit ihr zusammen.

Der gleitende Übergang

Mein erster Fehler war immer, dass ich den Cut zu hart gemacht habe. Ich stand um 19 Uhr im Wohnzimmer und verkündete das Ende des Spasses. Das Ergebnis könnt ihr euch vorstellen. Protest, Geschrei und eine sehr unentspannte Mutter.

Heute beginnen wir den Übergang viel sanfter. Etwa eine halbe Stunde, bevor Aron wirklich ins Bad muss, drosseln wir das Tempo. Ich bitte meine Schwiegermutter, mit ihm ein ruhiges Spiel zu spielen oder ein Puzzle zu machen. Oft schauen sie sich auch gemeinsam Bilderbücher an. Dieser langsame Übergang hilft ihm, von der Überholspur auf die gemütliche Landstrasse abzubiegen.

Ein wichtiger Bestandteil unserer neuen Routine ist auch, dass Aron sich von jedem einzeln verabschiedet. Das dauert seine Zeit, aber es gibt ihm das Gefühl, dass er nichts verpasst. Er weiss, dass die anderen noch da sind, aber für ihn beginnt jetzt der gemütliche Teil des Tages. Wer mehr über unsere Erfahrungen mit den beiden Kulturen lesen möchte, findet in meinem Beitrag über Zwischen zwei Welten noch mehr Anekdoten aus unserem Alltag.

Përrallë Zeit: Wie Shqiponja zum Helden wird

Wenn wir dann endlich im Kinderzimmer angekommen sind, beginnt der wichtigste Teil des Abends. Die Përrallë. So sagen wir Märchen auf Albanisch. Für Aron ist diese Zeit heilig. Er kuschelt sich in seine Decke, und sein Plüschadler Shqiponja darf natürlich nicht fehlen.

Shqiponja ist nicht einfach nur ein Kuscheltier. Er ist Arons treuester Begleiter und Beschützer. Und seit wir Märchenzauber entdeckt haben, erlebt Shqiponja die unglaublichsten Dinge. Das Besondere daran ist, dass Märchenzauber aus einem einfachen Foto von Shqiponja eine wundervolle, persönliche Geschichte gestaltet. Aron ist jedes Mal fasziniert, wenn er sieht, dass sein geliebter Adler die Hauptrolle in unserem abendlichen Märchen spielt.

Diese personalisierten Geschichten haben unsere Abendroutine komplett verwandelt. Anstatt sich gegen das Schlafengehen zu wehren, freut sich Aron jetzt auf die neuen Abenteuer von Shqiponja. Es ist, als würde ein Schalter umgelegt. Die laute Grossfamilie im Wohnzimmer ist vergessen, und wir tauchen gemeinsam in eine magische Welt ein. Die Geschichten sind so warmherzig und liebevoll geschrieben, dass auch ich nach dem trubeligen Tag zur Ruhe komme. Wenn ihr ähnliche Herausforderungen habt, schaut euch doch mal die Abendroutine mit Brummi an. Lena hat dort ebenfalls tolle Erfahrungen geteilt, die uns anfangs sehr geholfen haben.

Die Magie der vertrauten Details

Was ich an Märchenzauber so schätze, ist die Liebe zum Detail. Die Geschichten sind keine Standardtexte, bei denen einfach der Name ausgetauscht wurde. Sie greifen die Persönlichkeit des Kuscheltiers auf. Shqiponja ist in den Geschichten stark, mutig, aber auch fürsorglich. Genau so, wie Aron ihn sieht.

Manchmal baue ich auch kleine Erlebnisse des Tages in meine Erzählungen rund um das Buch ein. Wenn Aron beim Spielen mit den Cousins mutig war, erinnere ich ihn daran, wie mutig Shqiponja in seiner Geschichte ist. Das schafft eine wunderbare Verbindung zwischen seinem realen Leben und der Märchenwelt. Es hilft ihm, die vielen Eindrücke des Tages zu verarbeiten und friedlich einzuschlafen. Falls euer Kind manchmal trotzdem Schwierigkeiten hat zur Ruhe zu kommen, findet ihr in den Tipps zum Einschlafen von Sarah vielleicht den rettenden Einfall.

Ein Fazit aus dem Alltag

Gibt es immer noch Abende, an denen es nicht perfekt läuft? Natürlich. Wir sind eine ganz normale Familie, und manchmal ist Aron einfach zu überdreht. Aber die Kämpfe sind seltener und vor allem kürzer geworden. Wir haben einen Weg gefunden, der zu uns passt. Einen Weg, der die laute, fröhliche albanische Kultur und die Notwendigkeit einer ruhigen schweizerischen Abendroutine miteinander verbindet.

Es geht nicht darum, streng nach der Uhr zu leben oder das perfekte Elternbild abzugeben. Es geht darum, Momente der Verbindung zu schaffen. Wenn ich neben Aron sitze, er Shqiponja fest im Arm hält und wir gemeinsam in eine Geschichte eintauchen, dann ist das unser ganz privater, magischer Moment. Der Lärm aus dem Wohnzimmer ist dann nur noch ein leises, beruhigendes Hintergrundrauschen.

Und das Schönste daran: Wenn ich danach zurück ins Wohnzimmer komme, kann ich das Zusammensein mit meiner Familie viel mehr geniessen, weil ich weiss, dass Aron glücklich und zufrieden in seinem Bettchen träumt. Von neuen Abenteuern, hoch oben in den Bergen, zusammen mit seinem Adler Shqiponja.

Drita Berisha

Drita Berisha

Winterthur

Drita, 31, Winterthur — Mama von Aron (4). Aufgewachsen zwischen zwei Kulturen, zu Hause in beiden.

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