Ein grüner Plüschdrache sitzt vor einem Computerbildschirm mit einer Spielekonsole, umgeben von goldenen Sternen im warmen Licht einer Nachttischlampe

Von Gaming zu Geschichten: Wie mein Hobby zur Brücke in Emmas Fantasiewelt wurde

Marco Huber
Marco HuberMünchen

Samstag, 15 Uhr. Auf dem Bildschirm meines Computers flackert gerade ein Bosskampf. Meine Hände liegen auf der Tastatur, die Augen sind auf die Gesundheit des Endgegners gerichtet. Auf dem Boden neben mir spielt Emma mit ihrer Duplo-Eisenbahn. Zwei Welten, scheinbar völlig getrennt. Oder etwa nicht?

Als ich vor einigen Monaten bemerkte, wie Emma mir beim Zocken über die Schulter schaute, dachte ich zuerst: “Ohje, jetzt denkt sie noch, ihr Papa ist ein ewiger Gamer.” Aber dann passierte etwas Interessantes. Sie zeigte auf den Bildschirm und fragte: “Papa, wer ist das?” Nicht “Was machst du da?” oder “Darf ich auch?”. Sondern: “Wer ist das?” In ihrem Kopf waren die Pixel auf dem Bildschirm nicht einfach Figuren in einem Spiel. Es waren Charaktere in einer Geschichte. Sie sah einen Helden, einen Gegner, eine Mission.

Dieser Moment war der Beginn von etwas, das ich nicht kommen sah. Denn anstatt mein Hobby vor ihr zu verstecken, begann ich, es zu teilen. Aber nicht, indem ich ihr den Controller gab. Sondern indem ich aus den Spielen Geschichten machte.

Warum Gaming und Vorlesen mehr gemeinsam haben, als man denkt

Jedes gute Videospiel erzählt eine Geschichte. Es gibt eine Prämisse, einen Konflikt, einen Helden, der etwas erreichen muss. Genau wie in einem Kinderbuch. Der Unterschied ist nur das Medium. Bei einem Buch liest man die Geschichte. In einem Spiel erlebt man sie aktiv. Aber das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen, ist dasselbe.

Als ich Emma eines Abends nicht einfach nur eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen wollte, sondern ihr eine erzählte, in der Funki, ihr Drache, einen Schatz suchen musste, wusste ich nicht, wie gut das funktionieren würde. Ich benutzte einfache Spielelemente. “Funki hat drei Leben”, erklärte ich. “Wenn er in die Lava fällt, verliert er eines.” Emma hörte gespannt zu. Dann fragte sie: “Was passiert, wenn er alle Leben verliert?” “Dann müssen wir von vorne beginnen”, antwortete ich. Und plötzlich war aus einer einfachen Geschichte ein kleines Abenteuer geworden, bei dem sie mitfieberte.

Diese Herangehensweise ist nicht komplett neu. Schon andere Eltern haben gemerkt, dass die Abendroutine mit Brummi ähnlich strukturiert sein kann. Ein klares Ziel, kleine Herausforderungen, und ein kuscheliger Verbündeter, der hilft. Aber für mich als Vater war es eine Offenbarung. Denn ich konnte etwas einbringen, das ich wirklich verstehe: Die Logik von Spielen.

Von Quests und NPCs: Wie Spielelemente die Fantasie beflügeln

In meinem alten Leben als (halbwegs) leidenschaftlicher Gamer kannte ich Begriffe wie “Quest”, “NPC” (Non-Player Character) und “Side Mission”. Diese Konzepte sind eigentlich perfekt für das kindliche Denken. Kinder lieben es, kleine Aufgaben zu haben. Sie lieben es, wenn ihre Kuscheltiere zu lebendigen Charakteren werden. Und sie lieben es, wenn sie selbst entscheiden können, wie die Geschichte weitergeht.

Eines Tages, als Emma partout nicht in die Badewanne wollte, schlug ich vor: “Heute ist Funki der Questgeber. Er hat eine Mission für dich.” Ich nahm den kleinen Drachen und sprach mit einer etwas tieferen Stimme: “Emma, ich brauche deine Hilfe. In der Badewanne liegt ein geheimer Schatz versteckt. Aber nur wer sich ganz sauber wäscht, kann ihn finden.”

Was dann passierte, war fast magisch. Statt zu diskutieren, sprang Emma auf und marschierte Richtung Badezimmer. Der “Schatz” war ein kleines Spielzeug-U-Boot, das ich vorher dort deponiert hatte. Aber das war egal. Der Zauber lag in der Geschichte, nicht im Gegenstand.

Diese Art des interaktiven Geschichtenerzählens hat mich dazu gebracht, über die Magie von Kuscheltieren nachzudenken. Denn was passiert da eigentlich? Das Kuscheltier wird zum Katalysator für Fantasie. Es ist nicht mehr nur ein Objekt, sondern ein aktiver Teil der Erzählung. Und wenn das Kind dann noch selbst in die Geschichte eingreifen kann, wird aus passivem Zuhören aktives Gestalten.

Die Grenzen meiner Improvisation – und wie Märchenzauber sie überwindet

Ich gebe es zu: Meine Geschichten waren nicht immer Meisterwerke. Manchmal wiederholten sich die Plots. Manchmal fehlte mir die kreative Energie nach einem langen Arbeitstag. “Und dann … ähm … dann findet Funki noch einen zweiten Schatz.” Emma merkte das natürlich. “Das war doch letztes Mal schon so, Papa.”

An diesem Punkt realisierte ich, dass ich Unterstützung brauchte. Nicht, weil ich keine guten Ideen hatte. Sondern weil die Konsistenz und die Qualität einer Geschichte einen riesigen Unterschied machen. Und hier kam Märchenzauber ins Spiel.

Ich erinnerte mich an einen Erfahrungsbericht über personalisierte Geschichten, den ich schon einmal gelesen hatte. Die Idee, dass man das eigene Kuscheltier zum Helden einer professionell gestalteten Geschichte machen kann, klang perfekt für unsere Situation. Also probierten wir es aus.

Das Ergebnis war verblüffend. Plötzlich hatte Funki nicht nur Abenteuer, die ich mir ausdenken konnte. Er hatte eine ganze Welt, die für ihn geschaffen wurde. Die Geschichten waren illustriert, hatten einen klaren Spannungsbogen und waren genau auf Emmas Alter abgestimmt. Und das Beste: Sie waren immer da, auch wenn ich müde oder ideenlos war.

Vom Bildschirm ins Kinderzimmer: Wie ein Huckleberry Verbindung schafft

Heute, einige Monate später, hat sich unser Wochenendritual verändert. Samstags spiele ich vielleicht immer noch eine Runde am Computer. Aber jetzt sitzt Emma oft neben mir und fragt: “Papa, was macht der Held gerade? Hat er Angst?” Wir reden über die Geschichte im Spiel. Und dann, am Abend, wird aus dieser Geschichte etwas Eigenes.

“Darf Funki heute auch so ein Abenteuer erleben wie der Mann auf dem Bildschirm?”, fragt Emma dann. Und ich weiss, dass die Brücke geschlagen ist. Die Pixel auf dem Monitor sind keine fremde Welt mehr. Sie sind eine Inspiration. Eine Quelle für unsere eigenen Erzählungen.

Manchmal nehme ich Elemente aus dem Spiel und baue sie in unsere Gute-Nacht-Geschichte ein. Ein besonderer Gegenstand, eine lustige Nebenfigur, ein spannendes Setting. Und manchmal lasse ich Emma entscheiden, was als nächstes passieren soll. So wird aus meinem Hobby nicht nur meine Entspannung, sondern unser gemeinsames Projekt.

Was ich gelernt habe: Es geht nicht ums Gaming, sondern ums Teilen

Ich will hier nicht behaupten, dass alle Väter jetzt Videospiele spielen müssen, um eine bessere Bindung zu ihren Kindern aufzubauen. Das wäre Unsinn. Der Kern der Sache ist etwas anderes: Es geht darum, das, was einem selbst Freude macht, mit dem Kind zu teilen. Und es in eine Sprache zu übersetzen, die das Kind versteht.

Für mich war das Gaming. Für einen anderen Vater ist es vielleicht das Fussballspielen, das Basteln oder das Musizieren. Die Aktivität ist nebensächlich. Wichtig ist die Haltung: “Schau, das mag ich. Und ich möchte, dass du daran teilhabst.”

Und genau hier liegt die Stärke von personalisierten Geschichten wie denen von Märchenzauber. Sie nehmen etwas Persönliches – das Lieblingskuscheltier des Kindes – und machen es zum Mittelpunkt einer professionell gestalteten Erzählung. So wird aus einer elterlichen Leidenschaft nicht nur ein Hobby, sondern ein Werkzeug für Verbindung und Fantasie.

Eine Quest, die nie endet

Heute Abend werde ich wieder vor Emmas Bett sitzen. Funki wird zwischen uns liegen, ein bisschen zerzaust, aber bereit für das nächste Abenteuer. Auf dem Nachttisch wird das Tablet liegen, mit einer neuen Geschichte, in der Funki durch eine Zauberwald galoppiert. Und ich werde neben ihr sitzen und zuhören, wie ihre Atmung langsam ruhiger wird.

Das Spiel auf meinem Computer mag irgendwann durchgespielt sein. Die Quest wird abgeschlossen sein. Aber die Quest, mit meiner Tochter in ihre Fantasiewelten einzutauchen, die hat kein Ende. Und das ist das schönste Spiel, das ich je gespielt habe.

Marco Huber

Marco Huber

München

Marco, 35, München — Papa von Emma (4). Teilzeit-Drachenbändiger, Vollzeit-Vorleser, Funki-Fanclub-Präsident.

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