Eine gemütlich leuchtende Nachttischlampe beleuchtet einen kleinen Plüschfuchs in einem abgedunkelten Kinderzimmer.

Jeden Abend das gleiche Drama: Wie Seefa den Schlafenszeit-Kampf beendete

Claudia Brunner
Claudia BrunnerBern

Neulich, als Liam bei mir übernachtet hat, fiel mir auf, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Früher hatten wir unsere kleinen Rituale nach dem Nachtessen. Ein bisschen spielen, ein Lied singen, dann ab ins Bett. Es schien mir oft einfacher, ruhiger. Doch in letzter Zeit erzählte mir meine Tochter immer öfter von unfassbar anstrengenden Abenden. Es war wohl jeden Abend das gleiche Drama. Der kleine Liam, mittlerweile drei Jahre alt, wollte einfach nicht zur Ruhe kommen. Die Müdigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben, die kleinen Augen rieben sich ganz rot, aber der Weg ins Bett war ein täglicher Kampf. Die Energie des Tages wollte ihn einfach nicht loslassen.

Ich muss gestehen, dass ich anfangs dachte, das sei nur eine Phase. Kinder haben diese Zeiten. Sie probieren ihre Grenzen aus, sie wehren sich gegen das Ende des Tages, weil sie Angst haben, etwas Wichtiges zu verpassen. Doch als ich den abendlichen Erschöpfungskampf bei meiner Tochter selbst sah, wusste ich, dass eine Lösung her musste. Sie erzählte mir von heissen Tränen, von endlosen Verhandlungen um noch fünf Minuten Spielzeit und von der reinen Erschöpfung auf beiden Seiten. Es zerriss mir das Herz, meine Tochter so unendlich müde zu sehen. Ich erinnerte mich daran, wie wertvoll das Vorlesen mit Enkeln ist, und dachte lange darüber nach, wie wir Liam den Übergang vom Tag in die ruhige Nacht erleichtern könnten. Wir probierten vieles aus. Warme Milch, leise Musik, das Licht dimmen. Alles half ein wenig, aber nie nachhaltig.

Dann brachte meine Tochter eines Abends den kleinen Plüschfuchs Seefa mit. Liam hatte Seefa schon länger. Er war ein treuer Begleiter durch den Tag, trank imaginären Tee mit uns, sass brav am Tisch und war bei jedem Abenteuer im Garten dabei. Aber an diesem Abend war etwas anders. Meine Tochter hatte auf ihrem Telefon etwas Neues vorbereitet. Märchenzauber. Sie zeigte mir, wie sie ein Foto von Seefa gemacht hatte und nun dieser kleine, vertraute Begleiter plötzlich die Hauptrolle in einer Gute-Nacht-Geschichte spielte. Ich war erst sehr skeptisch. Technik im Kinderzimmer zur Schlafenszeit? Das leuchtende Display kurz vor dem Schlafen? Wir hatten früher Kassetten gehört oder haben einfach aus einem grossen Buch vorgelesen. Tipps zum Einschlafen gab es in meiner Generation viele, aber dieser klang für mich wirklich sehr neu und ungewohnt. Ich fragte mich, ob das nicht noch mehr aufregt, statt zu beruhigen.

Doch was dann geschah, glich fast einer kleinen Magie im Kinderzimmer. Als meine Tochter anfing, mit sanfter Stimme zu lesen, wurde Liam sofort still. Er hörte zu, wie er noch nie zugehört hatte. Es war nicht irgendeine Geschichte über ferne Prinzen, fremde Drachen oder mutige Ritter, die er gar nicht kannte. Es war eine ganz persönliche Geschichte über Seefa, seinen eigenen kleinen Fuchs. Seefa, der gerade jetzt in Liams Arm lag, besuchte plötzlich mutig den leuchtenden Mond oder spazierte sanft durch einen wunderschönen Sternenwald, um dort Sternenstaub zu sammeln.

Liam klammerte sich an seinen weichen Seefa und lauschte gespannt jedem einzelnen Wort. Seine kleinen Augenlieder wurden langsam, aber sicher schwerer. Der Atem wurde tiefer und ruhiger. Ich konnte förmlich spüren, wie die Aufregung des ganzen langen Tages von ihm abfiel. Der Fuchs in seinen Armen war nicht mehr nur ein Spielzeug aus Stoff, er war in genau diesem Moment der echte Held der Geschichte. Und dieser Held, das wusste Liam jetzt ganz genau, passte in der Nacht auf ihn auf. Das Kuscheltier hat die Angst vor der Dunkelheit einfach weggewischt.

Der tägliche Kampf war endlich vorbei. Die Tränen beim Zähneputzen, das Wehren beim Schlafanzug anziehen, all das wich einer freudigen Erwartung auf das nächste kleine Abenteuer von Seefa. Für mich als Grossmutter war es absolut unglaublich zu sehen, wie ein auf den ersten Blick so einfaches Mittel so eine unfassbar grosse Wirkung haben konnte. Die unerschütterliche Vertrautheit des eigenen Kuscheltiers, geschickt kombiniert mit liebevoll gestalteten, massgeschneiderten Geschichten, schuf eine tiefe Geborgenheit, die wir alle so dringend für den Jungen gesucht hatten.

Es ist wirklich faszinierend, wie diese neuen, digitalen Möglichkeiten Familien im ganz normalen Alltag unterstützen können. Personalisierte Geschichten schlagen eine wunderbare Brücke zwischen der physischen Welt, die das Kind direkt berühren, riechen und festhalten kann, und der grossen Fantasie, die es innerlich beruhigt und auf schöne Träume vorbereitet. Der kleine Plüschfuchs wird zum lebendigen Traumwächter. Das gibt dem Kind nicht nur Sicherheit, sondern lässt es auch eine völlig neue Form der Entspannung erleben.

Wenn Liam heute bei mir übernachtet, gehört Seefa ganz selbstverständlich dazu. Wir backen nachmittags in aller Ruhe ein paar leckere Guetzli, trinken einen Tee, und wenn der Abend langsam naht, freue ich mich schon auf unsere gemeinsame, ruhige Zeit. Ich habe in all den Jahren gelernt, dass Veränderung manchmal genau das bringt, was wir am dringendsten brauchen. Es geht hier gar nicht darum, das klassische Buch komplett durch den Bildschirm zu ersetzen. Es geht vielmehr darum, Geschichten so nah, persönlich und greifbar wie nur irgendwie möglich zu machen.

Seefa ist Liams allerbester Freund am Tag, und nun auch sein starker Beschützer in der langen Nacht. Das abendliche Drama, das uns alle so viele Nerven gekostet hat, hat sich in eine friedliche, fast schon magische Zeit verwandelt, auf die wir uns alle freuen. Die Erschöpfung ist aus dem Gesicht meiner Tochter verschwunden. Sie kann die Abende wieder geniessen und selbst zur Ruhe kommen. Und ich? Ich sitze dann oft noch einen Moment leise im Sessel neben Liams Bett, höre seinen gleichmässigen Atemzügen zu und sehe, wie er den kleinen Fuchs fest in den Armen hält. Was für eine wunderschöne, friedliche Zeit. Das ist die Magie, die wir in unserem Familienalltag so sehr gebraucht haben.

Claudia Brunner

Claudia Brunner

Bern

Claudia, 61, Bern — Grossmutter von Liam (3). Bücherfreundin, Guetzli-Bäckerin, staunende Entdeckerin digitaler Welten.

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